Öko-Feldtage 2019 – Biolandbau erleben

Im Interview berichtet Biobauer Stefan Itter darüber, was ihm die Öko-Feldtage 2017 gebracht haben, warum er auch 2019 wieder dabei ist und warum er seinen konventionellen Kollegen empfiehlt, die bundesweite Veranstaltung zu besuchen.

Warum stehen die Öko-Feldtage 2019 fest ihn Ihrem Terminkalender?

Stefan Itter: Es gibt für mich viele Gründe zum Besuch der Öko-Feldtage 2019. Zum einen bin ich dort mit dem Restaurant Weissenstein einer der gastronomischen Anbieter. Wir präsentieren beispielsweise die „Bentiburger“ eine Hamburger-Variation von meinen Bunten Bentheimer Freilandschweinen. Außerdem gehöre ich zum Netzwerk der Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau und werde am Stand der Initiative in einem bestimmten Zeitfenster als Ansprechpartner für Kollegen Rede und Antwort stehen. Zum dritten bin ich als Biobauer auf den Öko-Feldtagen, besuche für mich relevante Fach Foren, informiere mich über alte Getreidesorten wie Emmer und Einkorn und werde mir das Angebot der Aussteller für Hühnermobile vor Ort anschauen.

2017 waren Sie ja auch schon auf den Öko-Feldtagen. Gab es ein Highlight für Sie?

Itter: Ja, unser Pastrami-Sandwich: Gegarte Rinderbrust in einem Ciabattabrot aus meinem Weizen. Köstlich, Regional und Bio. Die wenigsten kannten „Pastrami“ und fast alle waren begeistert. Das freut mich natürlich, aber die Gespräche drum herum, die Fragen der Kollegen nach unserem Vermarktungskonzept und die Kontakte zu Kollegen waren auch ein Höhepunkt für mich. Zudem finde ich es toll, dass die Biolandwirtschaft auch bei unseren konventionellen Kollegen Interesse weckt und für manche Methoden wie etwa mechanisches Unkrautmanagement sogar Vorreiter sein kann. Ich hatte ein interessantes und intensives Gespräch mit einem Vertreter des Bauernverbandes, das mir gezeigt hat, das jetzt viel Neugier und Aufgeschlossenheit herrscht wo vorher Skepsis und vielleicht sogar Ablehnung war.

Sie sind in der Region schon gut vernetzt. Gibt es auf den Öko-Feldtagen Gelegenheit das Netzwerk weiter zu spinnen?

Itter: Ja klar! Ich habe auf der Veranstaltung 2017 einfach viele interessante Menschen getroffen. Darunter viele Kunden und Verarbeiter aber auch potenzielle Neukunden. Schön fand ich es auch, die Mitarbeiter vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen, die meine Anträge bei der Behörde betreuen, mal in einem ganz anderen Zusammenhang zu treffen, gemeinsam einen Kaffee zu trinken und über neue Entwicklungen im Ökolandbau zu fachsimpeln. Wer als Biolandwirt Netzwerken möchte, hat auf den Öko-Feldtagen viel Gelegenheit dazu.

Welche Herausforderungen gibt es für Ihren Betrieb und kann so ein Veranstaltungsformat helfen, sie zu lösen?

Itter: Mein Betrieb entwickelt sich prinzipiell gut. Die Herausforderung ist aber, nicht stehen zu bleiben, sondern sich immer weiter zu entwickeln. So eine Veranstaltung wie die Öko-Feldtage kann neue Inspiration bieten und holt vielleicht auch mal Aspekte ins Bewusstsein, über die ich sonst nicht gestolpert wäre.

Sind die Öko-Feldtage aus Ihrer Sicht eine geeignete Plattform, um die ökologische Landwirtschaft weiter zu entwickeln?

Itter: Unbedingt! Weil hier die Fragen aufgegriffen werden, die uns Biobauern unter den Nägeln brennen. Mich beschäftigt beispielsweise die Diskussion über die Zusammenarbeit von Bioland und Lidl und die Frage, wohin sich unsere Branche mit dem Bioboom und den vielen Umstellungsbetrieben entwickelt.

Ich denke: der Ökolandbau war und ist mehr als nur die Einhaltung von Richtlinien. Er war auch ein kritischer Gegenentwurf zur Kapital- und profitorientierten Land- u. Ernährungswirtschaft und hat seinen Charme auch durch das partnerschaftliche Miteinander von Biobauern und Vermarktern. Das sollte nicht unterschätzt werden!

Sie sind auch mit konventionellen Kollegen und solchen, die auf Bio umstellen wollen in Kontakt. Empfehlen Sie Ihnen die Öko-Feldtage weiter?

Itter:Ja, das mache ich. Ist auch nicht schwer, denn die konventionellen Kollegen interessieren sich häufig sehr für Technik, von der es auf den Öko-Feldtagen ja nun wirklich genügend gibt. Striegel und Hacke sind derzeit für alle Landwirte ein heißes Thema. Wie natürlich auch viele andere Themen, allen voran Tierwohl und Tierhaltung. Da bietet der Ökolandbau Lösungen, die man sich anschauen kann. Mein Statement an die Kollegen lautet: Auf der Veranstaltung findet ihr Landwirtschaft mit Herz, geballte Information von Menschen, die Ökolandbau betreiben: authentisch und professionell.

Eiwels Bio-Bauernhof

  • Betriebsleiter Stefan Itter ist Mitglied im Netzwerk Demonstrationsbetriebe Ökologischer Landbau
  • Umstellung auf Öko und Naturland Mitglied seit 2001
  • Betriebsfläche 50 ha, davon ca. 35 ha Ackerland und ca. 15 ha Grünland
  • Tierhaltung: ca. 20 Rinder, ca. 60 Schweine, ca. 200 Hühner
  • Vermarktung: Verarbeitung und Direktvermarktung. Itter kooperiert seit 2017 mit dem Ökometzger Martin Theisinger und Kassels erstem Öko-Restaurant – dem Restaurant Weissenstein
  • Arbeitskräfte: 1