Die Öko-Feldtage haben Strahlkraft

Der deutsche Bio-Spitzenverband, Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), ist Schirmherr der Öko-Feldtage. BÖLW-Vorsitzender Felix Prinz zu Löwenstein spricht im Interview über die Strahlkraft der Veranstaltung in die Politik und in die Branche.

Sie waren von der Premiere der Öko-Feldtage im Jahr 2017 begeistert. Wie ist das 2019 denn noch zu toppen?

Löwenstein: Die Öko-Feldtage 2017 boten eine tolle Plattform, auf der gezeigt wurde, wie innovativ Öko-Landwirtschaft ist. Bundesweit einmalig sind die Öko-Feldtage vor allem auch, weil alle Player einen gemeinsamen Treffpunkt haben, um ihr Wissen und ihre Erfahrung zur Öko-Landwirtschaft auszutauschen. Keine andere Veranstaltung bietet so viele Informationen für Praktiker und Forschende, Studierende, Presse und Politik – und keine andere Landwirtschaftsmesse tut das mit so viel spannenden Formaten und einer solch positiven Ausstrahlung. Das stärkt Bio und erhöht die Wahrnehmung dafür, wie bedeutsam Öko als Zukunftssektor ist.

Was genau meinen Sie mit Ausstrahlung?

Löwenstein: Auf den Feldtagen treffen sich Akteure, die etwas bewegen wollen auf dem Acker und im Stall. Diese Energie spürt man. Auch beeindrucken die vielen Innovationen auf den Feldtagen: vom Unkrautroboter über Populationszüchtungen, die sich durch Ertragsstabilität sowie hohe Widerstandskraft auszeichnen bis zu hörnertragenden Kühen im Laufstall und kraftfutterfreier Fütterung. Sie zeigen Lösungen auf für eine enkeltaugliche Landwirtschaft. Beides verleiht den Öko-Feldtagen eine enorme Strahlkraft.

Welche Herausforderungen gibt es für Ökobetriebe und wie kann so ein Veranstaltungsformat helfen, sie zu lösen?

Löwenstein: Es muss Öko gelingen, stabile und resiliente Systeme zu entwickeln, innerhalb derer Artenvielfalt gestärkt, Wasser, Boden und Klima geschützt und Tiere artgerecht gehalten werden. Das brauchen wir mit Blick auf die aktuellen Probleme der Landwirtschaft und dem, was die Bürgerinnen und Bürger zu Recht von uns erwarten. Es ist auch das einzige, was für den Sektor, der von natürlichen Ressourcen abhängig ist, auf Dauer funktioniert. Zentrale Themen der Öko-Feldtage wie Öko-Züchtung und -Nährstoffmanagement, -Tierhaltung oder Landtechnik zeigen den Praktikern mögliche Bausteine auf, um den eigenen Betrieb zu verbessern. Forschende können erfahren, was die Praxis von ihnen wirklich braucht. Und die Politik sieht beides: welche Chancen Öko bietet und was Bio braucht, um das vorhandene Potenzial zu entfalten.

Wie sieht Ihre Rolle als Schirmherr aus?

Löwenstein: Schon bei der Premiere ist es uns gemeinsam mit vielen Partnern gelungen, dass die deutschen Bio-Bauern und -Bäuerinnen die Öko-Feldtage als ihre eigene Veranstaltung erleben. Sie sind aber auch Gastgeber für interessierte konventionell wirtschaftende Kolleginnen und Kollegen. Denn unser Ziel ist es ja, genau diesen Austausch zu ermöglichen und das Wissen aller miteinzubeziehen und zu nutzen. So wird auch für Vertretungen außerhalb der Landwirtschaft wie Politik und Presse spürbar, dass sich hier die gesamte ökologische Land- und Lebensmittelwirtschaft präsentiert.

Die Zahl der deutschen Bio-Betriebe legte in den vergangenen Jahren kräftig zu und liegt inzwischen bei knapp 12 Prozent. Erreichen Sie mit den Öko-Feldtagen noch mehr Umstellungsinteressierte oder wollen Sie eher alte Hasen für Innovationen begeistern?

Löwenstein: Die Feldtage informieren in der ganzen Breite darüber, wie man seinen Biobetrieb weiter entwickeln kann. Deswegen sind innovationsfreudige Bäuerinnen und Bauern der ökologischen Landwirtschaft unsere Kernzielgruppe. Mit dem extrem offenen Format sprechen wir aber sehr bewusst auch unsere konventionell wirtschaftenden Kollegen an, die über eine Umstellung nachdenken oder sich für einzelne biologische Maßnahmen begeistern. Die mechanische Unkrautbekämpfung mit Striegel und Hacke etwa nutzen immer mehr von ihnen, allein hierzu werden auf den Öko-Feldtagen fast 30 Maschinen vorgeführt. Insgesamt sind 54 Maschinen im praktischen Einsatz zu sehen. Bei der Premiere ging das Konzept sehr gut auf: Überwiegend Bäuerinnen und Bauern besuchten die Öko-Feldtage, davon ca. ein Viertel konventionell wirtschaftend, sowie Studierende der Agrarwissenschaft und Fachpublikum aus den unterschiedlichsten Bereichen wie Beratung, Verbände, Politik und Presse.

Felix Prinz zu Löwenstein
Vorsitzender Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW)